Ich sehe was, was Du nicht siehst … und das ist LOHAS!
Andere, neue Perspektiven auf diesen Begriff
Hintergrund
Wie viele LOHAS-Studien sind Ihnen bekannt? Haben Sie überhaupt schon einmal von diesem Konsumtyp gehört? Einige nennen ihn auch LOHA und lassen dabei das wichtige „sustainability“ wegfallen. Dann ist es nur noch ein „Lebensstil, der sich nach Gesundheit und …“ ausrichtet. Punkt-Punkt-Punkt.
(c) Rebel pixelio.de
Nachhaltigkeit ist abgenutzt, reißt buchstäblich keinen vom Hocker. Innovation auch. Und von den LOHAS mag man auch nicht mehr so gerne hören. Das liegt auch dran, dass sich die wenigsten unter Innovation, Nachhaltigkeit und eben auch nicht unter LOHAS etwas Greifbares vorstellen können. Was soll das alles sein, wo läuft es mir am Tag über den Weg?
So könnten wir eben gemeinsam „Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist … LOHAS“ spielen.
Nicht auszumachen und doch ist es da
Ich sitze hier an meinem Schreibtisch. Ich schaue aus dem Fenster … und sehe Wald. Die Elbe. Häuser. Dazwischen … auch einige wenige Menschen. Und ich sehe LOHAS. Dazu reicht es schon in den Spiegel zu schauen. Probieren Sie es doch einmal aus. Und … sehen Sie auch LOHAS? Natürlich tun Sie das, weil immer dann, wenn Sie Menschen betrachten, sehen Sie auch LOHAS. Allerdings sollten diese Menschen schon älter als 2 oder 3 Jahre alt sein.
Doch von Anfang: Jeder Mensch mit Bewusstsein richtet sich die Welt ein. Er baut sich Konstrukte auf, mit deren Hilfe er versteht, wahrnimmt, wertet und entscheidet. Es ist seine individuelle Welt, die bei jedem ein wenig anders ausschaut. Diese Konstrukte sind die Basis für unsere Handlungsmotive, die auf Bedürfnissen und Wünschen aufbauen. Laut Wikipedia sind Motive so zu verstehen: „Sie organisieren und repräsentieren kognitiv, welche Erfahrungen im Leben im Zusammenhang mit Bedürfnissen gemacht wurden, insbesondere implizit wahrgenommene Handlungsmöglichkeiten und deren Folgen. Sie sind nicht zwingend bewusst.“
Sie ahnen es vielleicht schon: LOHAS ist ein solches Motiv. Ein Motiv das nach Gesundheit und Nachhaltigkeit verlangt. Und da die meisten Menschen an Gesundheit und – ich übersetze jetzt mal sustainability nicht mit Nachhaltigkeit sondern mit Zukunftsfähigkeit – eben diese Zukunftsfähigkeit am Herzen liegt, ist es ein Motiv in allen Menschen. Einer interessiert sich mehr, der andere weniger für Gesundheit. Gerade wenn ich krank bin, widme ich diesem Motiv mehr Aufmerksamkeit. So ist es auch mit der Nachhaltig- oder Zukunftsfähigkeit: Wenn die Welt am Ende ist, interessiert mich meine Verantwortung dafür mehr, sonst eher weniger.
Ohne das genau recherchiert zu haben, kann ich sagen, dass die Menschheit – besser gesagt rund 20% davon – die Welt in den letzten 40 Jahren mehr geschädigt hat als jemals zuvor – das propagiert mein Film des Jahres: HOME. So ist es durchaus nachvollziehbar, warum das Wort Nachhaltigkeit in den letzten gut 10 Jahren mehr und mehr in unser Bewusstsein gekommen ist.
Individualität – überall
Nicht nur in der Werbung geht es weg von der Gießkanne hin zu direkter 1:1 Werbung. Zielgruppen haben ausgedient – oder für all diejenigen, die das noch nicht glauben wollen: Zielgruppen werden kleiner und vermehren sich rapide in der Menge. Individualität ist ein Schlagwort, das in immer mehr Zusammenhängen zu lesen ist. Und LOHAS ist auch individuell.
Um das einmal anfassbar zu machen: Meine 3 jähige Tochter ist nett zu Oma und Opa, damit sie auch morgen noch sicher ihr Eis bekommt. Mein 12-jähiger Sohn isst nur ungerne Fleisch, weil er will, dass die Tiere nicht als Massenware verarbeitet und getötet werden. Zudem schwört er auf Lamy-Füller, weil die die besten Schreibergebnisse bringen. Meine 10-jährige Tochter setzt sich für den Erhalt und den Schutz von Walen ein – damit auch ihre Kinder in Zukunft diese tollen Tiere bewundern können. Meine Schwiegermutter fährt lieber Fahrrad als Auto um die Umwelt zu schonen, kauft dazu ausschließlich Bio-Produkte. Mein Schwiegervater kauft nicht bei Unternehmen, die seine eMails nicht binnen 2 Tagen beantworten. Claudia hinterfragt die Schulmedizin und versucht es lieber mit TCM (traditionelle chinesische Medizin), weil’s natürlicher ist und scheinbar keine Gier im Hintergrund des Geschehens steht. Herbert kauft nur Apple-Produkte, weil er das (nachhaltige) Design und den Bedienkomfort überragend findet. So hat ein jeder ganz unterschiedliche Gedanken in Sachen LOHAS im Kopf – je nach individueller Situation und Lebensgeschichte. Und bei einigen wird das LOHAS-Motiv erst spät im Alter relevant – manchmal auch gar nicht. Damit hat LOHAS grundsätzlich auch nichts mit Nationalität, dem Einkommmen oder Bildung zu tun. Jeder kann ein oder mehrere LOHAS-Motive haben.
Den LOHAS gibt es nur im Märchen
So gibt es den LOHAS aus Fleisch und Blut, den die Marketing-Abteilungen versuchen in eine Zielgruppendefinition zu pressen, eben nur in Geschichten oder Märchen. Viele der eingangs erwähnten Studien sind diesen „Erzählungen“ allerdings auch auf den Leim gegangen – und haben sich letztlich gewundert, warum denn plötzlich alle und jeder einer dieser vermeintlichen LOHAS ist. LOHAS machen also nicht dies oder denken das – es ist lediglich das LOHAS-Motiv in uns allen, das eben in unterschiedlichen Kontexten stärker oder weniger stark ausgeprägt ist oder auch mal gar nicht anspringt. Beim Aldi sparen um sich dann das Calvin Klein Parfüm oder die Louis Vuitton Tasche leisten zu können folgt, wohl einem ähnlichen Motiv.
„Ich sehe was, was Du nichts siehst und das ist … LOHAS!“ „Bin ich es vielleicht … oder Du … oder der Mann dort drüben?“ „Richtig!“

[...] Organisationen hinein greift. Wahrscheinlich tragen diese Prosumenten dann auch sehr ausgeprägte LOHAS-Motive in sich. Wenn wir es also richtig anstellen, gibt es in 10 Jahren nur noch Prosumenten und damit [...]
[...] Aber vielleicht hat sich das Problem LOHAS ja auch schon wieder von selbst erledigt, wenn man dies und dies in Betracht [...]
[...] Wenn Sie noch etwas in die LOHAS-Tiefen schauen möchten, so habe ich dazu eine kleine Abhandlung geschrieben: Ich sehe was, was Du nicht siehst … und das ist LOHAS!. [...]