Demografischer Wandel … ahhhhhh, so ein schlimmes Wort, dass immer mal wieder auftaucht, ganz sperrig ist … und auch deshalb leicht abgetan wird. Demografischer Wandel ist Utopie … etwas aus dem Übermorgen – und auch deshalb interessiert er so wenige. Aber er kommt näher: Der Arbeitgeberverband Pflege meldet 50.000 fehlende Fachleute, Bitkom vermisst 20.000 Experten. 2015 werden deutsche Firmen erstmals mehr Stellen anbieten, als sie besetzen können. Bis 2050 dürfte Deutschlands Bevölkerung um 11 bis 12 Millionen Bundesbürger schrumpfen – das wäre so, als ob die 12 größten deutschen Städte plötzlich leer wären … ganz leer. Wir brauchen ab sofort jährlich 200.000 Zuwanderer, um dieses Loch auch nur annährend zu stopfen.
Die Brand eins berichtet über diesen Sachverhalt in Ihrer aktuellen Ausgabe 08 unter dem Titel “Wollen wir sie reinlassen?”. Und es geht auch noch anderen europäischen Staaten so, so dass wir da draußen nicht alleine nach diesen “Talenten” suchen. Denn es sollen schon Talente sein, junge Menschen mit Intelligenz, einem starken Willen, Durchsetzungskraft und Kreativität. Warum wachsen die nur nicht einfach auf Bäumen oder sind am Straßenrand zu pflücken? Damals … in der guten alten Zeit … da war es einfach: Bei IBM, Siemens, Beiersdorf, Bayer, BASF, BMW …. setzte man sich als Personalverantwortlicher einfach hin und rief “Tischlein deckt Dich” … und schwupps hatte man seinen Talentstrauß zusammen.
Ich denke gerade darüber nach, dass ich in den letzten Wochen ganz oft das Wort “Dialogfähigkeit” gebraucht habe. Dann darüber, dass ich dieses etwas sperrige Wort hier noch nicht aufgegriffen habe.
Dann lief mir ein Video über den Weg, das den Titel “Lost Generation” (Verlorene Generation) trägt:
Hat jetzt das eine etwas mit dem anderen zu tun? In beiden Fällen – Video und Wort – geht es um Sprache und deren Wahrnehmung. Der Titel kürt allerdings mehr den Inhalt als das er dieses Dialog- oder Sprachkonstrukt beschreibt. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass die Digital Natives, die Generation Internet deutlich mehr Schwierigkeiten mit der fehlenden Dialogfähigkeit hat als die 40 bis 60 jährigen beispielsweise. Die sind es ja noch gewohnt, dass Unternehmen und Organisation mehr mit sich als mit Ihren Kunden beschäftigt sind und eben nicht oder nur selten auf Fragen und Anliegen antworten.
Ein Kind … nennen wir Sie Marie … zeichnet in der Schule ein Bild. Marie ist 7. Die Lehrerin streift ziellos durch die Reihen und bleibt hinter Marie stehen: “Marie, was malst Du Schönes?”, fragt sie. Und Marie antwortet: “Ein Bild von Gott!” Lehrerin, nennen wir sie Fräulein Pouchty: “Aber Marie, niemand weiß wie Gott aussieht!” Darauf Marie:”In einer Minute schon!”
Unser Bildungssystem hat es sich zur Aufgabe gemacht die Kreativität in uns auszumerzen. Je älter wir werden, je mehr wir in der Schule lernen, je besser wir dort funktionieren, desto weniger kreativ sind wir. Unser Bildungssystem zielt darauf ab unseren Kopf, in den Mittelpunkt zu stellen. Dem Körper kommt eigentlich nur die formale Aufgabe zu den Kopf in die Schule zu transportieren. Einmal dort angekommen ist es das Ziel aus möglichst vielen Schülern Universitäts-Professoren zu machen. Mathe, Sprachen, Naturwissenschaften dominieren die Schullandschaft, Musik, Kunst, Handarbeit und Werken spielen eher eine untergeordnete Rolle – sogar fast überall auf der Welt. In dieser Situation und diesen Zusammenhängen hilft uns dann auch kein Pisa mehr. Kreativität entsteht aber an Schnittstellen: Zwischen Spaß und Ernst, zwischen Spiel und Lernen, zwischen dem Sitzen und Bewegung, zwischen Tanz und Klausur und zwischen Singen und Vokabellernen. Die vollkommene Konzentration auf Logik, Wissen und Auswendiglernen läßt die Kreativität früh draußen vor der Tür. So müssen wir uns auch nicht wundern, dass die Innovation in Deutschland und der Welt eine so schwierige Disziplin ist: Open Innovation hat viel mit Kreativität gemein. … und wiederum mit der Zukunftsfähigkeit, oder sehe ich das falsch?
Jeder, der nur einen Funken Wahrnehmungsvermögen besitzt, muss sich doch momentan die Frage stellen, was läuft in diesem Land eigentlich für ein politischer Schwachsinn ab – zumindest dann, wenn Sie noch nicht vollkommen desillusioniert sind? Unsere Politiker diskutieren nur noch darüber, wer wohl mit wem kann oder welche Posten von wem besetzt werden könnten oder wie dem anderen Lager eine Grube zu graben wäre. Konkrete und wichtige Fragen werden mit vielen Worthülsen unbeantwortet im Raum stehen gelassen und die Bürger scheinen nicht wirklich eine Rolle in diesem (Theater)Stück zu haben. So interessieren unsere aktuellen und wichtigen Probleme in Berlin niemand wirklich. Aber vielleicht haben wir ja gar keine Probleme, oder?
Es scheint so, als wäre Inhaltlosigkeit normal und die Zukunftsfähigkeit unserer Republik nicht wichtig. Auf die Frage, wo eigentlich die Protagonisten und Leitbilder unserer Zeit sind, erscheint eher eine Fata Morgana, anstatt dass hier jemand Verantwortung übernimmt und versucht, diese Funktionen in sich zu verorten. Wenn also von der Wirtschaft aber auch von unserer Jugend mehr Verantwortung und Mut gefordert wird, dann sollten doch langsam aber sicher auch auf politischer Ebene unsere Volksvertreter als Vorbilder voran gehen. Dringender denn je brauchen wir Identifikationsfiguren und Neudenker. Darüber sollten wir endlich nachdenken … Wir haben uns dazu im neuen Lifefair-Magazin Gedanken gemacht.
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Klaus Kofler im Interview mit dem Münchner Journalisten Simon Feldmer zum Thema Nachhaltigkeit – zum Interview
Aktuelle Termine
31. August 2010 - Heuer Dialog / Köln - Bonn - "Viel Bewegung am Markt" - Vortrag von Oliver Selaff zum Thema: Priorität POS oder Internet?
Wie wichtig ist die digitale Welt für den analogen Handel?
– weitere infos
3.-5. Oktober 2010 - “Mutige Expeditionen nach Übermorgen” - Tage der Utopie in Breklum mit Werner Boote, Filmemacher “Plastic Planet" - Prof. Gion Caminada, Architekt - Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, Physiker & alternativer Nobelpreisträger - Dr. rer pol. Hans Christoph Kürn, Personalentwickler Siemens AG – Programm und Buchung